Sich verstanden fühlen

Nele und Nils raufen gerne miteinenander - wie Geschwister nun mal so sind. Als das Foto entstanden ist, waren Nele und Nils 8 bzw. 10 Jahre.

Haben Sie fragen?

Hier können Sie sie stellen:
E-Mail
04 21 / 69 66 72-0

Bleiben Sie neugierig:

Abonnieren Sie unseren Newsletter.

Nachdem 2006 ihr Vater gestorben ist, sind Nele und Nils für zwei Jahre ins Trauerland gekommen. Eine wichtige Zeit für sie und ihre Mutter Heike, wie sie rückblickend sagen.

Nele und Nils toben gern zusammen. Und es kommt vor, dass der große Bruder die kleine Schwester ärgert. Vielleicht auch mal umgekehrt. Das machen Geschwister nun mal so. Und das ist im Trauerland nicht anders.

Hier raufte Nils nicht nur mit Nele, sondern auch mit anderen Kindern im Toberaum. Der ist dazu da, mal so richtig Dampf abzulassen. Das Zimmer ist rundum gepolstert, die Kinder können mit Schaumstoff-Handschuhen boxen, mit Klötzen aus Stoff werfen oder Fußball spielen und sich mal fallen lassen – denn man fällt weich. Nele fand den Kreativraum richtig gut. Aber alles der Reihe nach.

Im Frühjahr 2006 kamen Nele und Nils und ihre Mutter ins Trauerland. Denn im März desselben Jahres hatte sich die Welt für die Familie verändert. Damals war Nele sechs Jahre alt und seit wenigen Monaten Schulkind. Nils war neun Jahre und in der dritten Klasse. Und es gehörte nicht in den Lebensplan, dass ihr Vater Marcus an Krebs starb. Ein paar Monate waren zum Abschied nehmen geblieben. Und jetzt war alles anders, weil ein Familienmitglied fehlte.

Erst mal abwarten?

Wie geht man mit dieser schweren Situation, mit der Trauer um? Erst mal abwarten, was die Trauer ‚mit einem macht‘? „Viele Menschen standen uns zur Seite und boten ihre Hilfe an“, erzählt Heike heute. „Das ist natürlich ganz wichtig. Aber wirklich verstanden fühlt man sich am ehesten bei jemandem, der so etwas selber erlebt hat.“ Eine Freundin hat in dieser Zeit von Trauerland erzählt.

Schon zwei Wochen später beschlossen alle drei gemeinsam, sich Trauerland einmal anzuschauen. Sie besuchten einen Schnuppersamstag, an dem Betroffene sich zusammen die Räume ansehen, die Abläufe sowie hauptamtliche und ehrenamtliche Mitarbeiter kennenlernen können. „Wir haben schnell gemerkt, dass wir hier Menschen treffen, die wissen, wie wir uns fühlen“, sagt Heike. Sie meldeten sich für die Freitagsgruppe an.

„Anderen geht es genauso wie uns“

Von da an kamen Nele, Nils und Heike alle zwei Wochen zu Trauerland. „Es gibt ja noch viele andere, denen es so geht wie uns, weil in der Familie auch jemand gestorben ist“, erinnert sich Nele. „Wir haben viel darüber gesprochen, zum Beispiel was der Verstorbene gern gegessen hat. Und wir haben seinen Namen auf ein Blatt geschrieben und was wir mit ihm verbinden. Das Blatt haben wir an einen ganz großen, selbstgebauten Baum im Gruppenraum gehängt.“ Der Baum hat inzwischen ganz viele Blätter.

Im Kreativraum konnten Nele und Nils auf großen Leinwänden malen. Es war sogar Sand auf dem Boden und viele Sachen zum Basteln. Im Kuschelraum konnten sie sich einfach mal hinlegen und träumen oder Musik hören. „Wir konnten uns immer aussuchen, wozu wir Lust hatten“, berichtet Nele.

Die Teilnehmer der Elterngruppe, die sich immer zur gleichen Zeit treffen wie die Kinder, geben sich Zuspruch und Unterstützung. „Das Leben geht ja weiter. Man fragt sich, was andere wohl darüber denken, wenn man nach einer Zeit auch mal wieder rausgeht, etwas unternimmt“, so Heike. Darf man das? Anderen geht es genauso, und es tut gut, sich gegenseitig zu bestärken.

Verstanden, gestärkt, ermutigt

Rund zwei Jahre lang gab Trauerland der Familie regelmäßig einen Ort zum Toben, zum Reden, zum Malen, zum Musik hören, zum Entspannen. Dann beschlossen die drei – wieder gemeinsam – dass sie Platz machen wollen für eine neue Familie, die Trauerland brauchen kann. Sie fühlten sich gestärkt und ermutigt, jeder auf seine Weise.

„Eine Mädchen aus meiner Schule geht jetzt auch zu Trauerland“, sagt Nele. „Weil ihr Papa gestorben ist. Sie erzählt mir davon, weil ich das ja auch kenne.“ Es ist gut, wenn man verstanden wird. Und wenn man das machen kann, wonach einem gerade ist. Toben zum Beispiel.

zurück

Zuletzt aktualisiert am: 26.09.2011